An der Kante des Deichvorlands in Dorum-Neufeld erhebt sich ein schwarzer, hoch aufragender, bakenähnlicher Turm: Der ehemalige Leuchtturm Eversand-Oberfeuer, 37,40 m hoch über Niedrigwasser, der gemeinsam mit drei weiteren mittlerweile ausgedienten Leuchttürmen ein gutes Jahrhundert lang die „Skyline“ des Wurster Watts, der Sände östlich der Außenweser, geprägt hat.
Errichtet 1886/87 im Auftrage der Hansestadt Bremen durch die Werft AG. „Weser“, führte Eversand-Oberfeuer zusammen mit dem heute als „Kormoranturm“ bekannten Eversand-Unterfeuer von 1887 bis 1923 den stetig wachsenden Schiffsverkehr durch den Wurster Arm der Außenweser, durch den damals das Hauptfahrwasser verlief. Diese Richtfeueranlage war Teil eines Projekts, das die letzte bis dahin auf der Strecke von See bis Bremerhaven bestehende Befeuerungslücke schloss und somit erstmals die Bremerhavener Häfen auch bei Nacht sicher erreichbar machte. Nicht zuletzt die in ihren Abmessungen immer größer werdenden, an feste Fahrpläne gebundenen Lloyddampfer hatten großen Nutzen davon.
Zwei Leuchtfeuerwärter teilten sich den Dienst auf „Obereversand“, wie der höchste der Wurster Wattenleuchttürme recht bald genannt wurde.
Ihre Bedeutung als Seezeichen büßten diese Anlagen jedoch unvorhergesehen schnell ein: Verlagerungen der Stromrinnen und Sände erzwangen 1922 die Verlegung des Weser- Hauptfahrwassers in den Fedderwarder Arm. Damit wurden ein Jahr später die Eversand-Richtfeuer gelöscht.
Geblieben sind ihre Leuchtturmbauwerke. Eversand-Oberfeuer wurde zu einer „Zufluchtstelle für Schiffbrüchige“ umgewidmet. Diese Funktion hatte der Turm bis zum Jahr 2000 inne und ihr verdankte er einfache Erhaltungsmaßnahmen seitens der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung. Die originale Inneneinrichtung der Wohn- und Diensträume blieb jedoch unangetastet.
Dadurch, dass Eversand-Oberfeuer nur eine relativ kurze Zeit als Leuchtfeuerträger genutzt wurde, ist er äußerlich und innerlich von entstellenden Umbauten verschont geblieben. Er stellt damit heute ein in seiner Ursprünglichkeit von einem anderen existierenden deutschen Leuchtturm kaum zu übertreffendes Zeugnis vom Stande der Seezeichenentwicklung im ausgehenden 19. Jahrhundert dar.